Tiger-Expedition im Fernen Osten Russlands
Wir, sechs wagemutige Männer aus Andelsbuch, konnten den 25.12.2009 kaum erwarten. An diesem Tag bestiegen wir nachmittags in Dornbirn den Zug und kamen nach einem Umstieg in Wien am 27.12. in der Früh in der russischen Metropole Moskau an. Dieses Sextett setzte sich wie folgt zusammen: Oswald R., der Techniker; Gerhard Sch., der Dolmetscher; Edi J., der Fährtenleser; Josef F., der Alpinist; Helmut K., der Filmer, und Christoph M., der Tiger-Verrückte.
Am 29.12. wollten wir von Moskau nach Irkutsk in Sibirien fliegen. Es schneite mäßig und war recht kalt. Als wir aber im Flugzeug saßen, verging Stunde um Stunde ohne eine Starterlaubnis zu erhalten. Zweimal mussten die Tragflächen enteist werden, bevor es dann endlich doch noch in die Höhe ging. Mit etwa fünf Stunden Verspätung erreichten wir Irkutsk. Was uns hier erwartete, entschädigte uns enorm: Schönstes Winterwetter mit Schnee bei strahlendem Sonnenschein (zu Hause: Regen und Föhn) und “Eisschranktemperaturen” so um die - 25 bis - 30 ° C. Ich kam mir vor wie in einem sibirischen Märchen und dazu noch dieser total faszinierende, fast zugefrorene größte See der Welt (bitte selber im Atlas nachschauen).
Doch dieses Märchen ging weiter: Am 31.12. wollten wir eigentlich frühzeitig zu Bett, da wir am nächsten Morgen mit der Transsibirischen Eisenbahn Richtung Vladivostok weiterreisten; den gebuchten Zug durften wir nicht versäumen, denn sonst verfallen die bereits gekauften Tickets. Aber mit diesem Vorsatz wurde es überhaupt nichts, denn wir verwickelten uns in eine “feucht-fröhliche Oligarchenparty”. Im Zug angekommen, verkrochen wir uns unter die Decke.
Auch die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn war ein unvergessliches Erlebnis. Ein paar Stichwörter: Kontakte, Temperaturschwankungen von sehr heiß (wenn in den Abteilen geheizt wird) bis bitterkalt (in den Übergängen von einem Waggon in den anderen), Wodka, Träumen mit offenen Augen, Geschichten erzählen, Entspannung und Spannung,…
In Khabarovsk kamen wir am Abend des 03.01.2010 an. Diese wunderbare Stadt liegt am beeindruckenden Amur-Strom. Jetzt galt es noch die für nächsten Tag ins Auge gefasste Tiger-Expedition auf Schiene zu bringen. Am 04.01. starteten wir frühmorgens mit einem Taxi und fuhren rund 100 km in die Wildnis. Von der Umwelt- und Naturschutzorganisation Phoenix bekamen wir den Hinweis, dass dort ein großer sibirischer Tiger namens Liuthi in einem Gehege sein Leben fristet, weil ihm in seiner Kindheit die Mutter von Wilderern weggeschossen wurde und er in freier Wildnis leider nicht überleben hätte können. Auch dieser Ausflug war ein “Volltreffer”. Wir fanden diese wunderschöne Raubkatze und erlebten Stunden der Glückseligkeit. Es war für mich wie Himmel auf Erden.
Noch am Abend setzten wir unsere Reise (Expedition?) mit der Transsibirischen Eisenbahn in Richtung Südwest fort. Am nächsten Morgen um 8.00 Uhr (pünktlichst) kamen wir in Vladivostok am Pazifik an. Hier begrüßte uns “General Eiswind”, der auch die nächsten Tage nicht viel besser wurde. Im Vergleich zum ruhigen Winterwetter in Irkutsk machte uns dieser messerscharfe Wind so sehr zu schaffen, dass wir doch einige Lokalitäten aufsuchen mussten; so z. B. ein deutsches Bierhaus, ein japanisches “Schicki-Micki-Restaurant” oder ein russisches Kaffeehaus.
Am 06.01.2010 (am russischen Weihnachtsfeiertag) waren wir geladene Gäste unserer Partner-Organisation Phoenix. Direktor Sergei Bereznuk und seine sehr kompetente Assistentin Irina gaben uns einen ehrlichen und umfassenden Einblick in die wirklich schwierige Lage der letzten freilebenden Amur-Tiger, deren Zahl sich auch deshalb stetig nach unten entwickelt (derzeit leider weniger als 500), weil der russische Staat zahlreiche Wildhüter eingespart hat und es für die Wilderer somit noch verlockender wird, auf Tigerjagd zu gehen. Wir verweisen auf die anhängende Präsentation (in drei Teilen zu öffnen). Schließlich konnten Helmut und ich guten Gewissens einen Teil unserer Spendengelder, nämlich EUR 800,– und USD 230,–, an diese Natur- und Umweltschutzorganisation in der Hoffnung übergeben, dass die letzten in freier Wildbahn lebenden Tiger vor der totalen Ausrottung vielleicht doch noch verschont werden können.
spendenbestatigung-phoenix-fund.PDF
Als wir am 07.01.2010 den Rückflug in das so weit entfernte Europa antraten, warfen dir nocheinmal einen Blick auf diese unvorstellbar großen Weiten der Mandschurei, Sibiriens, Russlands. Ich frage mich: Ist hier nicht ausreichend Platz für Mensch und Tier?
phoenix-presentation-part1.ppt




